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Presseschau - Detail

„Don Bruno“ – der Sekretär des Kardinals

MKZ vom 7.08.2016, Nr. 32, S. 10 von Susanne Hornberger

Monsignore Fink schreibt über seine Zeit an der Seite Joseph Ratzingers

 

„Herr Sekretär“ habe ihn Joseph Ratzinger gerufen und später, in Rom, „Don Bruno“. Geduzt hätten sie sich jedoch nie. Es sind charmante, witzige, herzliche Erinne­rungen, die Monsignore Bruno Fink nicht nur an diesem Abend im Herzog­lichen Georgianum in München bei der Vorstellung seines Buches „Zwi­schen Schreibmaschine und Pileolus - Erinnerungen an meine Zeit als Sekretär des Hochwürdigsten Herrn Joseph Kardinal Ratzinger“ erzählt. Der Pfarrer gewährt dem Leser einen Blick hinter die Kulissen des Ar­beitsalltags im Erzbischöflichen Haus in München sowie in der Glaubenskongregation im Vatikan.

 

Von September 1978 bis Weihnach­ten 1983 ist Bruno Fink dem damali­gen Kardinal Ratzinger nicht von der Seite gewichen. „Verschwiegen, loyal und immer im Hintergrund“, be­schreibt Christian Schaller, Stellver­tretender Direktor des Institutes Papst Benedikt XVI. in Regensburg, den ehemaligen Sekretär. Umso mehr mag es erstaunen, dass Monsignore Fink nun seine Erinnerungen an diese Jah­re aufgeschrieben hat. „Ich musste erst Abstand gewinnen“, erklärt der 69-Jäh­rige, „schon damals habe ich Kardinal Ratzinger als großen Mann des Glau­bens, der Theologie und der Kirche er­lebt.“ In seinem Buch schildere er, wie er ihn als Mensch wahrgenommen habe, betont Fink. „Ich kann Papst Benedikt XVI. beziehungsweise den vorherge­henden Joseph Ratzinger nicht als Theologen, als Kardinal oder gar als Papst beurteilen“, betont der Geistliche. Vielmehr lässt der Münchner Diözesanpriester die großen kirchlichen Ereignisse der Jahre 1978 bis 1981 in München wie auch in Rom 1982 und 1983 wieder lebendig werden: „Der Be­such von Papst Johannes Paul II. in Deutschland oder die Auseinanderset­zungen um den Entzug der Lehrbefug­nis für Professor Hans Küng.“

 

Bruno Fink lässt den Leser aber auch ein wenig durchs private Schlüsselloch schauen und berichtet von „familiären Sonntag-Nachmittagsrunden im Erz­bischöflichen Haus mit ,Mensch-ärgere-dich-nicht' oder vom Ostereiersu­chen im Garten mit Schwester Maria Ratzinger“. Und weiter: „Kardinal Rat­zinger hat eine große Vorliebe für die altbairische Literatur und deren Lied­gut.“ Auch den tiefgründigen Humor des Kardinals beschreibt Fink. Als er sich im Dezember 1983 aus Rom ver­abschiedet hatte, kam die Autokolonne am Brenner wegen Eis und Glätte ins Stocken. Nur mit etwas Glück sei es ihm gelungen, mit seinem Wagen wie­der Fahrt aufzunehmen. Davon berich­tet er Kardinal Ratzinger später am Telefon. Dieser erwidert: „Darum steht schon in der Bibel: Betet, dass eure Flucht nicht auf den Sabbat und nicht in den Winter falle!“

 

Eine Erstfassung seines Buches hat Fink dem emeritierten Papst übrigens im vergangenen Dezember nach Rom geschickt. Und Benedikt hat schrift­lich geantwortet: „Caro Monsignore! Ganz herzlichen Dank besonders für das unerwartete Geschenk Ihrer Erin­nerungen an gemeinsame Jahre in München und Rom. Ich habe sie mit Genuß gelesen. Dabei sind Begeben­heiten, die ich ganz in den hinteren Fächern meines Gedächtnisses abge­legt hatte, wieder lebendig vor mich hingetreten: Mühsal und Schönheit jener Jahre sind mir neu begegnet. Sie haben mich so freundlich, ja, ich darf sagen, liebevoll behandelt, daß ich nur sehr dankbar sein kann dafür. Und ich bin natürlich froh, daß Sie an diese Jahre trotz großer Last, die auf Ihnen lag, eine gute Erinnerung bewahren.“

 

MKZ vom 7. August 2016