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Presseschau - Detail

Benedikt XVI. ist wieder da – in Holz

MZ vom 8.04.2015, Regensburg Landkreis, S. 35 von Josef Eder

Überraschung bei Ausstellung in Pentling: Lebensgroße Figur ist Höhepunkt der Schau über das Leben des emeritierten Papstes. 

 

Pentling. Eine aus Lindenholz geschnitzte Skulptur des früheren Papstes Benedikt wurde am Ostermontag im Foyer des Pentlinger Rathauses von Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer und Bürgermeisterin Barbara Wilhelm enthüllt. Sie stellt Joseph Kardinal Ratzinger bei der Überreichung der Pentlinger Ehrenbürger-Urkunden durch Bürgermeister Gerhard Klier dar. Holzbildhauer Reinhard Baum aus Neukirchen beim Hl. Blut hat sie angefertigt. Der Sonntags-Stammtisch stiftete sie der Bevölkerung Pentlings.

 

Theo Gruschka erläuterte bei der Feierstunde die Entstehungsgeschichte der Skulptur. Seinen Worten zufolge ging der damalige Professor Joseph Ratzinger auf dem Weg zum Gottesdienst in der Pentlinger Kirche immer am Alten Tor und der großen Linde vorbei. Als der Baum im vergangenem Herbst aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, entstand unter den Stammtischkameraden der Gedanke, dass aus dem Holz dieser Linde etwas Besonderes entstehen sollte. Die Idee, eine Holzskulptur des berühmten Pentlinger Ehrenbürgers anfertigen zu lassen, war geboren.

 

Viele nie gezeigte Objekte 

 

Die Enthüllung war jetzt eine faustdicke Überraschung zur Eröffnung der der Papstausstellung im Pentlinger Rathaus. Diese lebensgroße Figur ist nun einer der Magneten der dritten Ausstellung, die die Heimatgemeinde ihrem berühmtem Bürger gewidmet und die Dr. Maria Baumann zusammengestellt hat. Zu sehen sind unter anderem auch das weiße Gewand des ehemaligen Kirchenoberhauptes und viele weitere noch nie gezeigte Objekte, die Benedikt der Kommune überlassen hat.

 

„Meine Wege in Pentling“ lautet der Titel der Schau, die bis 26. April zu sehen ist. Seine Heimatgemeinde Pentling zeigt dabei die wichtigsten Stationen des Lebens von Professor Dr. Joseph Alois Kardinal Ratzinger, der vor zehn Jahren zum Papst gewählt wurde. Schwerpunkt ist dabei die Zeit zwischen seiner Papstwahl und heute. Rainer Kühne hat dazu eine Karte erarbeitet, die die Fußwege des emeritierten Kirchenoberhauptes zeigt. Hier kann jeder diese Wege beginnend am Elterngrab der Ratzingers am Friedhof Ziegetsdorf bis zum Rathaus nachgehen. Alfred Maier hat Filme zur Verfügung gestellt und auch eine Hörstation ist eingerichtet.

 

„Wir wollen die Erinnerung auffrischen und unsere Verbundenheit mit Benedikt zeigen“, hob Bürgermeisterin Barbara Wilhelm hervor. Denn der frühere Papst hat nie den Kontakt zu Pentling abreißen lassen. Besonders verwies sie auf ein Gratulationsbuch, in dem alle ihre Glückwünsche zum bevorstehenden 88. Geburtstag des Papstes emeritus verfassen können. Es wird nach Rom gesandt.

 

Kuratorin Dr. Maria Baumann fragte in ihren einführenden Worten: „Was macht das Leben eines Menschen aus?“ Zumindest Bruchstücke aus dem Leben von Joseph Ratzinger möchte die Ausstellung ihren Worten zufolge zeigen. Im Jahr 1967 war der damals 42-Jährige nach Pentling gezogen. Die Mittelbayerische Zeitung stellte ihn als den Bruder des Domkapellmeisters Professor Dr. Georg Ratzinger vor.

 

„In der Ausstellung bekommen die Besucher Einblicke in das Leben und Lehre eines Jahrhundertgelehrten auf dem Stuhl des Heiligen Petrus, der hier in Pentling zuhause war“, erklärte Dr. Christian Schaller vom Institut Papst Benedikt XVI. bei der Ausstellungseröffnung. Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer erinnerte sich an den 19. April 2005. „In meinem Stundenbuch bewahre ich einen kleinen Zettel auf. Er wurde mir an diesem Tag am Altar der Pfarrkirche St. Nikolaus in Kassel gereicht. Darauf steht das Ergebnis des Konklaves und der Name“, erzählte er.

 

Höchste geistige Autorität

 

Besonders in Erinnerung sind dem Regensburger Bischof die drei Besuche Benedikts in Deutschland und gerade auch seine Regensburger Rede im Audimax der Universität. Dabei habe Benedikt XVI. als höchste geistige und moralische Autorität den Islam herausgefordert, sein Gottesbild zu klären und deutlich zu machen, dass Gewalt und Gottesbekenntnis niemals zusammengehen könnten. „Wie prophetisch, wie notwendig war doch diese Rede“, betonte Bischof Voderholzer. Jeder Tag bringe dafür in erschreckender Weise neue Belege.

Benedikts ehemaliges Haus in der Bergstraße kann an drei Tagen in der Woche besichtigt werden. Seit 2010 gehört es der Stiftung, die hinter dem Institut Papst Benedikt XVI. steht. Von 1969 bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof im Jahr 1977 wohnte er dort. Von da an war Pentling sein Rückzugsort.

 

Ein Ort der Begegnung

 

Erst nach fünf Jahren seines Wirkens als Papst trennte sich Benedikt von seinem Haus. Ein Museum sollte es aber nicht werden. Für Archiv und Bibliothek sowie die Arbeitsplätze des Instituts war es zu klein. Nun ist es ein Ort der Dokumentation und Begegnung. Immerhin sind hier handschriftlich aufgesetzt und von seiner Schwester Maria getippt, Klassiker der Theologie sowie Predigten für die Dorfkirche entstanden. Die innige Nähe zu Pentling kann der Besucher im Haus und im am 19. April erscheinenden Bildband erleben.